Potenziale der Wasserstoffwirtschaft

Wertschöpfung und qualifizierte Arbeitskräfte für die Wasserstoffwirtschaft

Zwei Studien zum Industrie- und Arbeitskräftepotenzial in Ostdeutschland

Die Entwicklung einer Wasserstoffwirtschaft ist nicht nur ein wichtiger Teil der Energiewende, sondern schafft auch Möglichkeiten für industrielle Wertschöpfung, Arbeitsplätze und technologische Expertise.  

Dies gilt insbesondere für Ostdeutschland, wo heute bereits mehr als die Hälfte aller in Deutschland produzierten Elektrolyseure hergestellt werden. Diese Herstellung von Elektrolyseuren zur Wasserstofferzeugung sowie deren Komponenten stützen sich auf eine breite industrielle Basis. Das umfasst Maschinen und Anlagen, Metallprodukte, elektrische und elektronische Bauteile, Chemikalien und Keramik. Der Wasserstoffsektor kann daher auf bestehende industrielle Strukturen, Kompetenzen und Zuliefernetzwerke in der Region zurückgreifen.

Jedoch bedarf es mehr als eines wachsenden Wasserstoffmarkts, um dieses Potenzial auszuschöpfen. Unternehmen müssen sich an neuen und sich entwickelnden Wertschöpfungsketten beteiligen, ihre Produktionskapazitäten ausbauen und ihr Know-how weiterentwickeln. Darüber hinaus müssen ausreichend Fachkräfte zur Verfügung stehen oder ausgebildet werden.

Zwei Studien von WifOR untersuchen die notwendigen Voraussetzungen, um dieses Potenzial in wirtschaftliche Aktivität umzusetzen. Die erste Publikation befasst sich mit den Möglichkeiten der Wertschöpfung und Beschäftigung entlang der Wertschöpfungskette von Elektrolyseuren. Die zweite Studie untersucht aktuelle Trends in der beruflichen Bildung und den Bedarf an qualifizierten Arbeitskräften, die für die Erschließung des Potenzials der Wasserstoffwirtschaft notwendig sind.

Erste Fallstudie: Wertschöpfung und Beschäftigung entlang der Wasserstoff-Wertschöpfungsketten

Die Studie von WifOR untersucht die wirtschaftlichen Aussichten im Zusammenhang mit der Produktion von Elektrolyseuren und deren Komponenten in Ostdeutschland bis zum Jahr 2045. Die Publikation wurde gemeinsam mit dem Fraunhofer-Institut für Solare Energiesysteme – ISE im Auftrag der Initiative für Wasserstoff in Ostdeutschland (IWO) verfasst.

Wertschöpfungs- und Arbeitsmarktpotenziale der Wasserstoffwirtschaft in Ostdeutschland Herunterladen IWO Studie Wasserstoff

Die Studie verknüpft die technologie- und komponentenbezogene Analyse des Fraunhofer ISE mit dem ökonomischen Modell von WifOR und untersucht, wie die Herstellung unterschiedlicher Elektrolyseurtechnologien Nachfrage entlang industrieller Wertschöpfungsketten generiert.

Wichtige Erkenntnisse:  

  • Wasserstoff kann in unterschiedlichen Bereichen der Industrie neue wirtschaftliche Impulse setzen. Die Herstellung von Elektrolyseuren sorgt für Nachfrage in den Bereichen Maschinenbau, Metallverarbeitung, Elektrotechnik, Elektronik, Chemie und anderen Branchen.  
  • Die Produktion von Elektrolyseuren kann einen erheblichen Mehrwert und zahlreiche Arbeitsplätze schaffen. Mit dem Ausbau der Produktion wirken sich diese Effekte auch auf Zulieferer entlang der gesamten Wertschöpfungskette aus. Im Grundszenario für den Produktionsausbau können diese Effekte ein Ausmaß erreichen, das mit etablierten Branchen in Ostdeutschland wie der Papierherstellung vergleichbar ist – mit einer Bruttowertschöpfung von 1,4 Milliarden Euro.
  • Wasserstoff bietet Chancen für den industriellen Wandel. Durch den frühzeitigen Aufbau entsprechender Kompetenzen könnte sich Ostdeutschland nicht nur als wichtiger Hersteller von Elektrolyseuren positionieren, sondern auch als Lieferant der für deren Herstellung erforderlichen Komponenten und Zwischenprodukte.

Zweite Fallstudie: Sicherung qualifizierter Arbeitskräfte für die Wasserstoffwirtschaft

Das wirtschaftliche Potenzial führt nur dann zu Wertschöpfung und Beschäftigung, wenn die erforderlichen Arbeitskräfte zur Verfügung stehen.

Die vom WifOR Institute im Auftrag der Stiftung Arbeit und Umwelt der IGBCE erstellte Studie “Der Hochlauf der Wasserstoffwirtschaft in Ostdeutschland braucht Fachkräfte” beschäftigt sich mit dieser Herausforderung.

Der Hochlauf der Wasserstoffwirtschaft in Ostdeutschland
braucht Fachkräfte
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Die Analyse zeigt, dass viele der Berufe, die für den Aufbau, den Betrieb und die Instandhaltung der Wasserstoffwirtschaft erforderlich sind, bereits von Arbeitskräftemangel betroffen sind. Gleichzeitig führt der demografische Wandel in vielen Teilen Ostdeutschlands zu einem Rückgang des verfügbaren Arbeitskräfteangebots. Hinzu kommt, dass die Zahl der Auszubildenden in diesen Berufen nicht entsprechend dem künftigen Bedarf gestiegen ist.

Die Verfügbarkeit von Arbeitskräften muss daher von Anfang an als Teil des Wachstums im Wasserstoffsektor berücksichtigt werden. Dazu gehört nicht nur die Einstellung zusätzlicher Arbeitskräfte, sondern auch die Stärkung der beruflichen Ausbildung und die stärkere Einbeziehung bereits vorhandener Qualifikationen in verwandten Branchen.

Die Studie hebt drei Schwerpunkte hervor:

  • Stärkung der beruflichen Ausbildung und der Lehre, um langfristig den Bedarf an qualifizierten Arbeitskräften in technischen und industriellen Berufen sicherzustellen.  
  • Ausbau gezielter Weiterbildungs- und Umschulungsmaßnahmen, insbesondere um Fachkräften aus benachbarten oder sich im Wandel befindlichen Branchen den Einstieg in aufstrebende Wasserstoff-Wertschöpfungsketten zu ermöglichen.
  • Entwicklung regionaler Personalstrategien und Netzwerke, die Unternehmen, Bildungsträger, politische Entscheidungsträger:innen und Arbeitnehmervertreter:innen miteinander verbinden und gleichzeitig attraktive Karrierewege und Arbeitsbedingungen fördern. 

Beide Studien machen deutlich, dass die industrielle Entwicklung mit der von Arbeitskräften Hand in Hand gehen muss. Ostdeutschland hat die Möglichkeit von der wachsenden Wasserstoffwirtschaft zu profitieren, indem es bereits vorhandene Produktionsstrukturen und wirtschaftliche Expertise nutzt. Um dieses Potenzial in nachhaltige regionale Wertschöpfung umzusetzen, bedarf es koordinierter Investitionen in Produktion, Lieferketten, Qualifikationen und Menschen.

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Florian Fickler
Team Lead – Arbeitsmarkt & Inkubator
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Kay Petrisor
Kay Petrisor
Head of Strategy & Business Development
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