WifOR unterstützt Unternehmen bei der Messung und Bewertung ihrer Nachhaltigkeitskennzahlen – unter anderem auch SAP. Im Interview erklärt Iris Konrad, Senior Sustainability Specialist bei SAP, wie das Unternehmen Nachhaltigkeit misst, zentrale Themen priorisiert und Daten nutzt, um bessere Entscheidungen zu treffen. Lesen Sie das Interview hier.
Regulatorische Anforderungen an die Nachhaltigkeitsberichterstattung
Die Corporate Sustainability Reporting Directive (CSRD) ist das EU-Regelwerk für Nachhaltigkeitsberichterstattung. Welche Informationen Unternehmen offenlegen müssen, wird in den European Sustainability Reporting Standards (ESRS) festgelegt. Ziel der Richtlinie ist es, die Transparenz zu erhöhen und Nachhaltigkeitsinformationen besser vergleichbar zu machen.
Mit dem EU-Omnibus-Paket wurde das Regelwerk überarbeitet. Dies hat den Kreis der berichtspflichtigen Unternehmen deutlich verkleinert.
Welche Unternehmen müssen Nachhaltigkeitsinformationen offenlegen?
Die Anforderungen richten sich nach Größe, Rechtsform und Standort eines Unternehmens. Da sich die Vorschriften laufend weiterentwickeln, empfiehlt sich ein regelmäßiger Check.
Große Unternehmen
Große Unternehmen unterliegen grundsätzlich den CSRD-Anforderungen, wenn sie die folgenden Kriterien erfüllen:
- mehr als 1.000 Mitarbeitende
- jährlicher Nettoumsatz von mehr als 450 Millionen Euro
Diese Unternehmen müssen materielle nachhaltigkeitsbezogene Auswirkungen, Risiken und Chancen (IROs) gemäß den ESRS offenlegen.
Kleine und mittlere Unternehmen (KMU)
Nach der überarbeiteten CSRD unterliegen KMU grundsätzlich nicht der verpflichtenden Nachhaltigkeitsberichterstattung. Viele KMU erhalten jedoch weiterhin Anfragen zu Nachhaltigkeitsthemen von Kunden, Investorinnen und Investoren, Finanzinstituten und großen Unternehmen entlang ihrer Wertschöpfungskette. Verlässliche Nachhaltigkeitsinformationen bereitzustellen, bleibt daher relevant, auch wenn die formalen Berichtspflichten reduziert wurden.
Unternehmen außerhalb der EU
Die CSRD kann für Unternehmen außerhalb der EU gelten, wenn sie umfangreiche Geschäftstätigkeiten in der EU ausüben.
Das betrifft Unternehmen, die:
- mehr als 450 Millionen Euro jährlichen Nettoumsatz in der EU erzielen
- eine qualifizierende EU-Tochtergesellschaft oder EU-Zweigniederlassung mit mehr als 200 Millionen Euro jährlichem Nettoumsatz haben
USA
In den USA gibt es kein einheitliches Regelwerk für die Nachhaltigkeitsberichterstattung. Stattdessen basieren die Anforderungen auf einer Kombination aus föderalen Wertpapiergesetzen, bundesstaatlicher Gesetzgebung und Stakeholder-Erwartungen. Daher variieren die Berichtspflichten je nach Standort, Industrie und Geschäftstätigkeit eines Unternehmens.
Börsennotierte Unternehmen
Für börsennotierte Unternehmen gilt ein prinzipienbasierter Ansatz: Sie legen offen, was für Investoren relevant ist – einschließlich wesentlicher Nachhaltigkeitsrisiken. Zuständig ist die Securities and Exchange Commission (SEC). Nachhaltigkeitsaspekte werden dabei vor allem unter dem Gesichtspunkt der finanziellen Wesentlichkeit und ihrer Relevanz für Investitionsentscheidungen betrachtet.
Bundesstaatliche Regelungen
Zusätzlich zu den Bundesvorschriften gibt es in vielen Staaten eigene Offenlegungspflichten. Dazu zählen beispielsweise der Climate Corporate Data Accountability Act (SB 253) sowie der Climate-Related Financial Risk Act (SB 261) in Kalifornien. Diese verlangen von großen Unternehmen mit Geschäftstätigkeiten im Bundesstaat, ihre Treibhausgasemissionen offenzulegen und über klimabedingte Finanzrisiken sowie entsprechende Gegenmaßnahmen zu berichten. Unternehmen mit grenzüberschreitenden Aktivitäten müssen häufig Vorgaben der Bundesstaaten, der US-Bundesregierung sowie internationaler Rechtsräume gleichzeitig erfüllen.
Verbreitete Nachhaltigkeitsstandards in den USA
Neben regulatorischen Verpflichtungen orientieren sich viele Organisationen an etablierten Vorgaben für die Nachhaltigkeitsberichterstattung, um ihre Offenlegungen zu strukturieren und besser vergleichbar zu machen.
Dazu zählen:
- Die Global Reporting Initiative (GRI), die sich auf die ökologischen, sozialen und wirtschaftlichen Auswirkungen einer Organisation konzentriert
- Die IFRS Sustainability Disclosure Standards (IFRS S1 und IFRS S2), die nachhaltigkeitsbezogene Chancen und Risiken mit Relevanz für Investoren behandeln
- Die Sustainability Accounting Standards Board (SASB) Standards, die branchenspezifischen Leitlinien zu finanziell wesentlichen Nachhaltigkeitsthemen bereitstellen
Diese Standards unterscheiden sich hinsichtlich Zielsetzung, Zielgruppe und Wesentlichkeitsansatz. Viele internationale Unternehmen kombinieren sie deshalb in der Praxis. So lassen sich die Informationsbedürfnisse verschiedener Stakeholder abdecken und Berichte über Länder und Regionen hinweg besser vergleichen.
Nachhaltigkeitsstrategien entwickeln
Eine Nachhaltigkeitsstrategie bildet den Rahmen, um ESG-Themen in Entscheidungsprozesse einzubinden. Sie hilft dabei, Nachhaltigkeitsziele mit den übergeordneten Unternehmenszielen in Einklang zu bringen und Risiken wie Chancen strukturiert zu steuern.
Gezielt Prioritäten setzen
Viele Unternehmen nutzen eine doppelte Wesentlichkeitsanalyse, um relevante Nachhaltigkeitsthemen zu identifizieren und zu priorisieren. Die Analyse hilft zu bestimmen, welche Themen wesentlich sind und daher in die Nachhaltigkeitsberichterstattung einfließen sollten. Zudem zeigt sie, wo entlang der Wertschöpfungskette die bedeutendsten Auswirkungen, Risiken und Chancen liegen und wo Ressourcen den größten Mehrwert schaffen können.
Typische Fragen dabei:
- Welche Themen bergen die größten Risiken oder Chancen?
- Wo in der Wertschöpfungskette entstehen die größten Effekte?
- Welche Maßnahmen haben Vorrang, wenn Ressourcen knapp sind?
- Wie lässt sich Nachhaltigkeitsleistung in Geschäftsentscheidungen integrieren?
Die Erkenntnisse aus dieser Analyse helfen, Maßnahmen gezielt zu priorisieren, Ressourcen sinnvoll einzusetzen und Nachhaltigkeit in der Unternehmensstrategie zu verankern.
Lesen Sie mehr dazu in unserem Artikel zum Thema Wesentlichkeitsanalyse.
KPIs für die Nachhaltigkeitsmessung
Die Wahl der Nachhaltigkeitskennzahlen hängt von den strategischen Prioritäten und Entscheidungsbedürfnissen einer Organisation ab. Statt möglichst viele Indikatoren zu erfassen, sollten jene KPIs im Fokus stehen, die eine fundierte Einschätzung von Risiken, Chancen und Auswirkungen ermöglichen – sowohl innerhalb der Organisation als auch entlang der Wertschöpfungskette.
Die relevanten Indikatoren hängen von der Branche, dem Geschäftsmodell und den jeweils wesentlichen Themen ab. Sie lassen sich in drei Kategorien einteilen: soziale, ökologische und ökonomische Indikatoren.
Nachhaltigkeit messen: soziale KPIs
Soziale KPIs zeigen, wie sich unternehmerisches Handeln auf Mitarbeitende, Beschäftigte in der Lieferkette und die Gesellschaft insgesamt auswirkt.
Dazu zählen:
- Arbeitssicherheit und Gesundheitsschutz
- Vielfalt und Inklusion in der Belegschaft
- Weiterbildung und Personalentwicklung
- Faire Vergütung
- Menschenrechtsrisiken in der Lieferkette
Diese Themen gewinnen zusätzlich an Bedeutung, weil sich Unternehmen zunehmend auf Sorgfaltspflichten entlang globaler Lieferketten einstellen müssen.
Nachhaltigkeit messen: ökologische KPIs
Ökologische KPIs erfassen, wie sich ein Unternehmen auf natürliche Ressourcen und Ökosysteme auswirkt.
Dazu zählen:
- Treibhausgasemissionen
- Wasserverbrauch und Wasserverschmutzung
- Abfallaufkommen
- Flächennutzung
- Auswirkungen auf die Biodiversität
- Meeresverschmutzung durch Kunststoffe
Nachhaltigkeit messen: ökonomische KPIs
Ökonomische KPIs zeigen, welchen Wert ein Unternehmen für Beschäftigte, den Staat, Lieferanten oder die lokale Wirtschaft schafft.
Dazu zählen:
- Bruttowertschöpfung (BWS)
- Geschaffene Arbeitsplätze
- Lohnzahlungen
- Steuerbeiträge
- Lokale Wirtschaftsförderung
Der Blick über einzelne KPIs hinaus
Nachhaltigkeits-KPIs liefern wertvolle Einblicke in einzelne Aspekte der Unternehmensleistung. Für eine umfassendere Bewertung sind jedoch ergänzende Methoden erforderlich. Sie können Unternehmen dabei unterstützen, Umweltauswirkungen zu analysieren, Investitionen zu bewerten oder Nachhaltigkeit in strategische Entscheidungen einzubeziehen. Welche Methode geeignet ist, hängt von den Zielen des Unternehmens ab.
Methoden zur Nachhaltigkeitsbewertung
Life Cycle Assessment (LCA)
LCAs erfassen die Umweltauswirkungen eines Produkts oder einer Dienstleistung über den gesamten Lebenszyklus hinweg – von der Rohstoffgewinnung über die Produktion und Nutzung bis zur Entsorgung. Sie helfen dabei, Umwelt-Hotspots entlang der Wertschöpfungskette zu identifizieren und werden häufig für Produktentwicklung, Lieferkettenmanagement und Nachhaltigkeitsberichterstattung eingesetzt. Eine umfassende LCA kann jedoch eine große Datenmenge erfordern und setzt häufig spezialisiertes Fachwissen voraus.
Cost Benefit Analysis (CBA)
Die CBA unterstützt Unternehmen bei der Bewertung von Projekten und Investitionen. Hierfür werden die erwarteten Kosten und Nutzen einer Maßnahme in Geldwerten gegenübergestellt. So lässt sich beurteilen, ob ein Vorhaben wirtschaftlich sinnvoll ist und welche Handlungsoption den größten Gesamtnutzen verspricht. Komplexer wird die CBA jedoch, wenn breitere ökologische und soziale Auswirkungen berücksichtigt werden sollen, die sich nicht ohne Weiteres in Geldwerten ausdrücken lassen.
Impact Measurement & Valuation (IMV)
Impact Measurement & Valuation misst und bewertet ökologische, soziale und ökonomische Auswirkungen und übersetzt sie in monetäre Werte. Dadurch können Unternehmen unterschiedliche Auswirkungen miteinander vergleichen und in ihre Entscheidungsfindung einbeziehen. Wissenschaftlich fundierte Bewertungsfaktoren bilden die gesellschaftliche Bedeutung dieser Auswirkungen ab und berücksichtigen den jeweiligen Kontext. So kann beispielsweise die gleiche Menge Wasserverbrauch je nach regionaler Wasserverfügbarkeit unterschiedliche Folgen haben. Die Ergebnisse basieren jedoch auf Durchschnittswerten und eignen sich daher insbesondere dazu, unterschiedliche Wirkungsbereiche zu vergleichen und zu priorisieren. Mithilfe von Primärdaten lässt sich die Bewertung anschließend verfeinern und präzisieren.
Mit dieser Methode können Unternehmen:
- Hotspots entlang der Wertschöpfungskette ermitteln
- Zielkonflikte zwischen Umwelt-, Sozial- und Wirtschaftseffekten abwägen
- Initiativen evidenzbasiert priorisieren
- Ressourcen gezielter einsetzen
- Nachhaltigkeit in Geschäftsentscheidungen integrieren
So unterstützt IMV Unternehmen dabei, die tatsächlichen Auswirkungen ihres Handelns sichtbar zu machen, Risiken und negative externe Effekte zu reduzieren und Ressourcen dort einzusetzen, wo sie
Nachhaltigkeit messen – Best Practice SAP
SAP nutzt Impact Measurement & Valuation bereits seit vielen Jahren. Was ursprünglich mit dem Ziel begann, Nachhaltigkeitswirkungen entlang der Wertschöpfungskette zu quantifizieren, hat sich zu einem Ansatz entwickelt, der heute Wesentlichkeitsanalysen, menschenrechtliche Sorgfaltsprüfungen, Hotspot-Analysen und die Steuerung von Nachhaltigkeit unterstützt. Im Interview spricht Iris Konrad, Senior Sustainability Specialist bei SAP, über das gemeinsame Projekt.
Iris Konrad
Senior Sustainability Specialist bei SAP
Der größte Vorteil von Impact Measurement & Valuation ist die Vergleichbarkeit. Die Übersetzung in eine gemeinsame monetäre Kennzahl ermöglicht es uns, unterschiedliche ökologische, soziale und ökonomische Indikatoren gemeinsam mit finanziellen Ergebnissen zu betrachten und ihre relative Wirkung besser zu verstehen.
Viele Unternehmen erheben Nachhaltigkeitskennzahlen, stehen jedoch vor der Herausforderung, daraus konkrete Erkenntnisse für ihr Handeln abzuleiten. Wie stellt SAP sicher, dass die Daten nicht nur der Berichterstattung dienen, sondern auch Entscheidungen unterstützen?
Iris Konrad: Für uns ist entscheidend, Nachhaltigkeitsdaten mit ausgewählten Anwendungsfällen zu verknüpfen, die unsere übergeordnete Nachhaltigkeitsstrategie unterstützen. Dabei geht es darum zu prüfen, wo die Daten einen Mehrwert für bestehende Nachhaltigkeitsprozesse schaffen und konkrete Entscheidungen unterstützen können. Impact Measurement & Valuation hilft uns, unterschiedliche Auswirkungen miteinander zu vergleichen, zu verstehen, wo diese am stärksten ausgeprägt sind, und auf dieser Grundlage unsere Aktivitäten gezielt auszurichten.
Eine Herausforderung für viele Unternehmen besteht darin, zu verstehen, wo entlang ihrer Wertschöpfungskette die größten Nachhaltigkeitsauswirkungen entstehen. Was hat SAP aus der Anwendung von Impact Measurement & Valuation gelernt?
Eine wichtige Erkenntnis ist, dass wir zwischen unseren direkten Lieferanten und der tieferliegenden, indirekten Lieferkette unterscheiden müssen. Ein erheblicher Teil der Nachhaltigkeitsauswirkungen kann tiefer in der Lieferkette entstehen. Gleichzeitig nimmt unser direkter Einfluss tendenziell ab, je weiter diese Auswirkungen von unseren direkten Lieferanten entfernt sind.
Impact Measurement & Valuation hilft uns, diese Unterschiede transparenter zu machen und besser zu verstehen, wo die größten Auswirkungen entstehen und wo wir die größten Einflussmöglichkeiten haben.
SAP kombiniert Impact Measurement & Valuation mit Branchenbenchmarks. Warum ist Benchmarking bei der Bewertung der Nachhaltigkeitsleistung wichtig?
Branchenbenchmarks bieten uns einen wichtigen Referenzpunkt. Intern helfen sie uns zu verstehen, wie unsere Nachhaltigkeitsleistung im Vergleich zu anderen Unternehmen der Branche einzuordnen ist und in welchen Bereichen wir bereits gut aufgestellt sind beziehungsweise wo Verbesserungsbedarf besteht. Extern kann eine bessere Vergleichbarkeit zwischen Unternehmen auch Anspruchsgruppen wie Investoren dabei unterstützen, die Nachhaltigkeitsleistung eines Unternehmens zu bewerten.
Können Sie ein Beispiel nennen, bei dem Impact Measurement & Valuation SAP dabei geholfen hat, einen Nachhaltigkeitshotspot zu identifizieren oder Maßnahmen zu priorisieren?
Ein Beispiel ist unsere menschenrechtliche Sorgfaltsprüfung in der Lieferkette. Wirkungsbasierte Analysen helfen uns, potenzielle Hotspots entlang der Lieferkette zu identifizieren und unterstützen damit einen stärker risikobasierten Ansatz bei der Sorgfaltsprüfung. Auf Grundlage dieser Bewertungen haben wir begonnen, potenzielle negative Auswirkungen auf die Menschenrechte zu priorisieren. Dazu zählt beispielsweise das Risiko nicht existenzsichernder Löhne in unserem eigenen Geschäftsbetrieb sowie in unserer direkten und indirekten Lieferkette.
Wir haben zudem den direkten Austausch mit ausgewählten direkten Lieferanten erprobt, um dieses identifizierte Risiko zu adressieren. Dadurch konnten wir durchschnittliche Risikodaten um lieferantenspezifische Informationen ergänzen und so ein detaillierteres Bild der Risiken gewinnen.
Darüber hinaus prüfen wir, wie sich dieser Ansatz auf den Wasserverbrauch übertragen lässt. Indem wir lokale Wasserstressniveaus gemeinsam mit dem absoluten Wasserverbrauch betrachten, wollen wir besser verstehen, in welchen Regionen die Auswirkungen am größten sind und wo Maßnahmen die größte Wirkung entfalten können.
Künftig erwarten wir, dass diese Art der Analyse weiter an Bedeutung gewinnt. Insbesondere bei Auswirkungen und Risiken, die tiefer in der Lieferkette liegen, kann sie mit Blick auf die CSDDD-Regulierung relevant werden.
Wie hat Impact Measurement & Valuation den Ansatz von SAP bei der doppelten Wesentlichkeitsanalyse beeinflusst?
Impact Measurement & Valuation bietet eine ergänzende, datenbasierte Perspektive neben der Einschätzung durch Expertinnen und Experten. Solche Bewertungen bleiben wichtig, quantitative Wirkungsdaten können diese Einschätzungen jedoch untermauern oder auch infrage stellen. Auf diese Weise kann Impact Measurement & Valuation zu einer konsistenteren Bewertung der Wesentlichkeit von Nachhaltigkeitsauswirkungen beitragen.
Wie hat sich die Rolle von Impact Measurement & Valuation bei SAP seit den Anfängen der Implementierung entwickelt?
Zu Beginn konzentrierte sich ein großer Teil unserer Arbeit darauf, den Ansatz zu erproben und gemeinsam Indikatoren und Methoden zu entwickeln. Heute gehen wir zunehmend dazu über, Impact Measurement & Valuation in ausgewählten Anwendungsfällen einzusetzen. Der Fokus liegt damit stärker darauf, wo die Methodik einen konkreten Mehrwert für bestehende Nachhaltigkeitsprozesse schaffen und Entscheidungen unterstützen kann.
Was ist der größte Vorteil davon, unterschiedliche Nachhaltigkeitsauswirkungen in eine gemeinsame monetäre Kennzahl zu übersetzen?
Der größte Vorteil ist die Vergleichbarkeit. Nachhaltigkeitsauswirkungen werden üblicherweise in sehr unterschiedlichen Einheiten ausgedrückt, wodurch sie sich nur schwer direkt miteinander vergleichen lassen. Die Übersetzung in eine gemeinsame monetäre Kennzahl ermöglicht es uns, unterschiedliche ökologische, soziale und ökonomische Indikatoren gemeinsam mit finanziellen Ergebnissen zu betrachten und ihre relative Wirkung besser zu verstehen. Das hilft uns letztlich dabei, Prioritäten zu setzen und uns auf die Bereiche zu konzentrieren, in denen wir negative Auswirkungen am wirksamsten reduzieren oder positive Auswirkungen erhöhen können.
Viele Unternehmen blicken über die reine Erfüllung regulatorischer Anforderungen hinaus und beschäftigen sich mit der Frage, wie Nachhaltigkeit zu langfristiger Resilienz und Wettbewerbsfähigkeit beitragen kann. Welche Rolle spielt Impact Measurement & Valuation dabei für SAP?
Impact Measurement & Valuation ermöglicht es uns, über Risiken und negative Auswirkungen hinauszublicken und auch unseren positiven wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Beitrag zu verstehen. So können wir beispielsweise bewerten, wie unsere Geschäftstätigkeit und unsere Beschaffungsstrukturen in verschiedenen Ländern und Branchen zu Beschäftigung und wirtschaftlicher Wertschöpfung beitragen.
Welchen Rat würden Sie Nachhaltigkeitsverantwortlichen geben, die von der Nachhaltigkeitsberichterstattung zu einer aktiven Nachhaltigkeitssteuerung übergehen möchten?
Mein Rat wäre, die Daten zu nutzen, die Unternehmen für Berichts- und regulatorische Zwecke ohnehin erheben müssen. In die Datenerhebung und die Identifizierung wesentlicher Auswirkungen, Risiken und Chancen fließt erheblicher Aufwand. Statt diese Informationen ausschließlich für die Berichterstattung zu nutzen, können Unternehmen dieselben Daten verwenden, um Bereiche mit besonders großen Auswirkungen zu identifizieren und Entscheidungen zu unterstützen.
Wo sehen Sie mit Blick auf die Zukunft die größten Chancen für wirkungsbasierte Entscheidungen im Nachhaltigkeitsmanagement?
Aus meiner Sicht befindet sich Impact Measurement & Valuation weiterhin in einem Entwicklungsprozess. Eine der größten Chancen liegt in einer weiteren Standardisierung und breiteren Anwendung, auch durch standardsetzende Organisationen und in regulatorischen Prozessen. Dies kann dazu beitragen, wirkungsbasierte Informationen besser vergleichbar und damit letztlich hilfreicher für Entscheidungen zu machen. Bei SAP möchten wir zu dieser Entwicklung beitragen, indem wir die Methodik auf konkrete Anwendungsfälle anwenden, aus der praktischen Umsetzung lernen und unsere Erfahrungen teilen.





