Im Jahr 2024 flossen laut Global Impact Investing Network (GIIN) weltweit 1,57 Billionen US-Dollar in Impact Investments – bei einer jährlichen Wachstumsrate von 21 Prozent seit 2019. Doch wie funktioniert Impact Investing konkret und wie lässt sich Wirkung systematisch erfassen und steuern? Antworten darauf liefert dieser Beitrag.
Was ist Impact Investing?
Impact Investing bedeutet, Kapital so einzusetzen, dass neben finanzieller Rendite auch ein messbarer, positiver Effekt auf Umwelt oder Gesellschaft entsteht (GIIN, 2024). Auf der OECD-Wirkungsskala liegt der Ansatz zwischen Philanthropie (ausschließlich Wirkung) und klassischem Investieren (reine Rendite). Dabei wird Wirkung nicht als Nebeneffekt, sondern als gleichwertiges Ziel zur finanziellen Performance verstanden.

Die 3 klassischen Prinzipien des Impact Investing lauten:
- Intentionalität – Investitionen erfolgen mit der expliziten Absicht, eine positive soziale oder ökologische Wirkung zu erzielen.
- Additionalität – Die angestrebte Wirkung wäre ohne das Investment nicht entstanden; das Investment leistet einen zusätzlichen Beitrag.
- Messbarkeit – Die tatsächliche Wirkung wird systematisch erfasst, bewertet und transparent kommuniziert.
WifOR erweitert diesen Ansatz. Denn jede Investition beeinflusst die Gesellschaft – positiv oder negativ, ob beabsichtigt oder unbeabsichtigt. Wirkungsorientiertes Investieren bedeutet in diesem Kontext, gesellschaftliche Effekte unabhängig vom Investitionsfokus zu messen, zu bewerten und gezielt zu steuern.
Dies ermöglicht es Asset Managern, je nach Präferenz, negativen Impact zu verringern und positiven Impact zu steigern – etwa um regulatorischen Vorgaben oder Mandatsanforderungen gerecht zu werden.
Impact-Kennzahlen: Grundlage für die Wirkungsmessung
Je nach Zielsetzung kommen unterschiedliche Indikatoren zur Wirkungsmessung zum Einsatz. Als international anerkannter Rahmen gelten die Impact Reporting and Investment Standards (IRIS+) des GIIN. Diese Sammlung standardisierter Kennzahlen werden weltweit von Impact-Investoren, Fonds und Finanzinstitutionen genutzt.
Beispiele für häufig verwendete Impact-Kennzahlen:
Soziale Wirkung:
- Anzahl vollzeitbeschäftigter Personen mit Behinderungen
- Faire Löhne
- Risiko von Arbeitsunfällen
Ökologische Wirkung:
- Treibhausgasemissionen
- Wasserverbrauch
- Recycelte Abfallmenge
Wirtschaftliche Wirkung:
- Gezahlte Steuern
- Ausgaben für lokale Beschaffung
- Bruttowertschöpfung
Diese Kennzahlen lassen sich mit den Zielen für nachhaltige Entwicklung (Sustainable Development Goals, kurz: SDGs) der Vereinten Nationen verknüpfen – etwa in den Bereichen Klimaschutz, Sicherheit am Arbeitsplatz oder Armutsbekämpfung.
Wie lässt sich Wirkung messen?
Trotz wachsender Bedeutung fehlt es am Markt bislang an einheitlichen Standards für die Wirkungsmessung und -bewertung. Viele Investoren stützen sich auf qualitative Einschätzungen, Scores oder externe Ratings, die jedoch oft nur begrenzte Aussagekraft haben. WifOR hat deshalb einen wissenschaftlich fundierten Prozess entwickelt, mit dem sich die Wirkung von Investitionen quantitativ erfassen, monetär bewerten und vergleichbar darstellen lässt.

Die Methode besteht aus sechs aufeinander aufbauenden Schritten:
1. Portfolio-Strukturierung
Zunächst wird das Anlageportfolio nach Assetklassen (z. B. Aktien, Anleihen, Immobilien), Branchen und Regionen gegliedert. Diese Struktur bildet die Grundlage für alle weiteren Berechnungen.
2. Übersetzung in wirtschaftliche Aktivität
Im zweiten Schritt wird berechnet, wie viel Umsatz durch das investierte Kapital durchschnittlich entsteht. Dabei kommt ein länder- und branchenspezifischer Faktor zum Einsatz, der abbildet, welchen Umsatz ein investierter Euro typischerweise auslöst. Die Berechnungen basieren auf anerkannten Datenquellen:
- Orbis (für Unternehmens- und Assetkennzahlen)
- Damodaran (für Kapitalmarktdaten und Zurechnung)
- EU KLEMS (für volkswirtschaftliche Produktionsdaten)
3. Ermittlung gesellschaftlicher Wirkungen
Anschließend wird anhand ausgabenbasierter Multiplikatoren abgeleitet, welche physischen Effekte typischerweise mit der wirtschaftlichen Aktivität verbunden sind – etwa CO₂-Emissionen oder geschaffene Arbeitsplätze. Die Multiplikatoren sind branchenspezifisch und berücksichtigen regionale Unterschiede.
4. Monetarisierung mit Bewertungsfaktoren
Im vierten Schritt werden die Ergebnisse mit Bewertungsfaktoren verknüpft. Diese geben an, welche gesellschaftlichen Auswirkungen im Durchschnitt mit einem bestimmten Umsatz in einer Branche und Region verbunden sind. Dadurch lassen sich unterschiedliche Wirkungsarten vergleichbar machen – zum Beispiel:
- Gesellschaftliche Kosten durch CO₂-Emissionen
- Soziale Folgekosten durch Arbeitsunfälle
- Wirtschaftliche Beiträge durch Wertschöpfung
5. Wirkung ins Verhältnis setzen: Investment-to-Impact Ratio (IIR)
Über die monetäre Bewertung einzelner Wirkungen hinaus lässt sich eine Verhältniskennzahl ableiten: die Investment-to-Impact Ratio (IIR). Sie zeigt, wie viel gesellschaftlicher Nutzen oder Schaden mit jedem investierten Euro verbunden ist – gegliedert nach sozialer, ökologischer und ökonomischer Dimension.
Zum Beispiel: „Ein investierter Euro erzeugt im Durchschnitt 0,80 Euro gesellschaftlichen Mehrwert – und verursacht gleichzeitig 0,30 Euro an gesellschaftlichen Schäden.“
Um eine aussagekräftige Einordnung zu ermöglichen, werden positive und negative Effekte innerhalb einer Dimension nicht verrechnet, sondern jeweils separat ausgewiesen. Die IIR macht so auf einen Blick sichtbar, welche positiven und negativen Wirkungen mit Investitionen Portfolios verbunden sind. Sie ersetzt jedoch nicht die detaillierte Darstellung der zugrunde liegenden Indikatoren.
6. Portfolioaggregation
Im letzten Schritt werden die Daten auf Portfolioebene zusammengeführt. Das Ergebnis ist ein datenbasiertes Wirkungsprofil, das die gesellschaftlichen Auswirkungen der Investments monetär abbildet – differenziert nach positiven und negativen Effekten.
WifOR macht die Bewertungsfaktoren und Messmethoden transparent. So ist nachvollziehbar, was gemessen wurde, warum und mit welchen Annahmen:
Beispiele für Impact Investments
WifOR unterscheidet beim Impact Investing zwei Kategorien: Investments mit explizit sozialem oder ökologischem Ziel – und einen erweiterten Ansatz, der die Wirkung auch bei klassischen Kapitalanlagen sichtbar macht.
Klassisches Impact Investing – Beispiel Gesundheitssektor
Wirkungsorientierte Investments fließen häufig in Projekte, die den Zugang zu Wohnraum, Gesundheitsversorgung und Bildung verbessern, saubere Energie fördern oder natürliche Ressourcen schützen. Ein aktuelles Beispiel: Eine internationale Entwicklungsorganisation prüft Investitionen in den afrikanischen Gesundheitssektor – insbesondere in die Stärkung pharmazeutischer Produktionskapazitäten.
Mithilfe der Beschäftigungsmultiplikatoren von WifOR lässt sich ermitteln, wo diese Investitionen die größten Beschäftigungseffekte auslösen. Sie zeigen, wie viele Arbeitsplätze Investitionen in einer nationalen Industrie schaffen können – basierend auf einem Input-Output-Modell mit szenariobasierten Prognosen.
Die Analyse zeigt erhebliche Unterschiede zwischen den Ländern: In einigen Staaten lassen sich mit gleichen Investitionsbeträgen deutlich höhere Beschäftigungswirkungen erzielen – besonders in bestimmten ost- und zentralafrikanischen Ländern mit hohen Multiplikatorwerten. Dieser Ansatz ermöglicht es, soziale Wirkungen zu vergleichen und Kapital gezielt dort einzusetzen, wo es den größten Mehrwert für die Gesellschaft stiftet.
Erweiterter Impact-Ansatz – Beispiel Indexfonds
Auch klassische Anlageprodukte, die nicht primär auf Wirkung ausgerichtet sind, lassen sich unter Impact-Gesichtspunkten bewerten. So analysierte Valuing Impact mit dem WifOR Institute Sustainability Impact Tool (WISIT) die 500 größten börsennotierten US-Unternehmen (S&P 500) hinsichtlich ihrer gesellschaftlichen Wirkung. Grundlage war die Indexzusammensetzung im März 2025, ergänzt um Umsatz- und Marktdaten.
Die Ergebnisse zeigen: Jeder investierte US-Dollar schafft im Durchschnitt 0,70 US-Dollar gesellschaftlichen Nutzen über zehn Jahre – messbar, aber deutlich geringer als bei gezielten Impact-Investments.
Anhand einer detaillierten Indikatoren-Übersicht in WISIT können Asset Manager erkennen, in welchen Bereichen die gesellschaftlichen Auswirkungen besonders hoch oder niedrig ausfallen. Diese Erkenntnisse bieten die Grundlage für datenbasierte Portfolioentscheidungen und machen Wirkung auch bei Standardprodukten strategisch nutzbar.
Vorteile von Impact Investing für Finanzakteure
Impact Investing bietet eine Vielzahl strategischer Vorteile für Finanzakteure – weit über ethische Beweggründe hinaus:
- Unterstützung bei der Strategieentwicklung
Die strukturierte Erhebung und Analyse positiver und negativer Impact-Daten liefert wertvolle Erkenntnisse für die strategische Ausrichtung eines Portfolios. Asset Manager können anhand dieser Informationen erkennen, in welchen Bereichen Investitionen besonders effektiv gesellschaftlichen und ökologischen Mehrwert stiften können – und darauf aufbauend Ziele, Prioritäten und Investitionsentscheidungen ableiten. Das stärkt die Verbindung zwischen Wirkungszielen und Investmentstrategien und erleichtert gleichzeitig die Kommunikation mit internen und externen Stakeholdern. - Verbesserung des Risikomanagements
Die Integration gesellschaftlicher und ökologischer Wirkung ermöglicht es Asset Managern, externe Effekte frühzeitig zu identifizieren. So lassen sich langfristige Risiken in klassischen Investments besser einschätzen und bewerten – etwa durch die frühzeitige Anpassung von Portfolios bei erwarteten CO₂-Bepreisungen oder neuen ESG-Vorgaben. - Regulatorische Sicherheit gewinnen
Impact-Daten schaffen Transparenz darüber, wie Kapital wirkt – und helfen so, gesetzliche Vorgaben wie die EU-Taxonomie oder die SFDR gezielt umzusetzen. Wer Wirkung strukturiert misst, kann Berichtspflichten effizient erfüllen, Risiken frühzeitig erkennen und gegenüber Aufsichtsbehörden sowie der Öffentlichkeit kommunizieren. - Wirkungsbasiertes Engagement ermöglichen
Validierte Impact-Daten bieten Asset Managern eine wertvolle Argumentationsgrundlage, zum Beispiel bei Hauptversammlungen oder in direkten Gesprächen mit dem Management. So lassen sich konkrete Veränderungen anstoßen – etwa in der Lieferkette, bei Emissionen oder in Bezug auf Arbeitsstandards. - Förderung von Produktinnovation
Die Möglichkeit, Wirkung zu quantifizieren, schafft neue Optionen für die Produktentwicklung – zum Beispiel bei thematischen Fonds, Green Bonds oder impact-orientierten Private-Equity-Strategien. Impact-Daten unterstützen dabei eine präzise Gestaltung und wirkungsvolle Platzierung am Markt. - Sicherung von Wettbewerbsvorteilen
Wer gesellschaftliche Wirkung systematisch erfasst und in Investmententscheidungen integriert, positioniert sich als Vorreiter – gegenüber Kundinnen, Investoren und Regulatoren. Dies stärkt die eigene Marke, eröffnet Zugang zu neuen Märkten und verbessert die Bewertung von Investmentstrategien im Wettbewerb.
Herausforderungen des Impact Investing
Immer mehr Investoren möchten gesellschaftliche Wirkung gezielt berücksichtigen – doch in der Praxis fehlt es häufig an geeigneten Werkzeugen. Viele stehen vor der Frage, wie sich Wirkung zuverlässig messen, vergleichen und in bestehende Investmentprozesse integrieren lässt, ohne den operativen Aufwand massiv zu erhöhen.
Ein zentrales Problem ist die fehlende Standardisierung: Unterschiedliche Bewertungsansätze und geringe Vergleichbarkeit erschweren eine konsistente Wirkungsmessung – insbesondere für kleinere Marktteilnehmer.
Hier setzt WifOR an: Mit unserem datenbasierten Ansatz schaffen wir die Grundlage, gesellschaftliche Wirkung systematisch und vergleichbar zu bewerten – unabhängig von Branche, Region oder Assetklasse.
Unser Analyse-Tool WISIT ermöglicht es zudem, den Impact von Investments eigenständig zu berechnen. Ziel ist es Wirkung so messbar und anschlussfähig zu machen, dass sie sich nahtlos in wirtschaftliche Entscheidungen integrieren lässt – evidenzbasiert und kompatibel mit bestehenden Kennzahlensystemen.
Fazit: Wirkung braucht klare Ziele, belastbare und vergleichbare Daten und transparente Methoden
Impact Investing bietet Asset Managern die Chance, gesellschaftliche Wirkung nicht nur zu messen, sondern aktiv in die Steuerung und Optimierung von Portfolios einzubeziehen. Beim klassischen Impact Investing liefern die Daten und Methoden von WifOR eine belastbare Grundlage, um soziale und ökologische Effekte objektiv zu bewerten.
Zudem ermöglicht unsere Methode, die Wirkung klassischer Kapitalanlagen – etwa von Indexfonds – datenbasiert zu analysieren und vergleichbar zu machen.
Wirkung wird damit zu einer relevanten Kennzahl im Investmentprozess: transparent, nachvollziehbar und steuerbar. Wer diese Daten nutzt, kann nicht nur regulatorische Anforderungen effizient erfüllen, sondern auch Risiken besser einschätzen und Kapitalentscheidungen auf einer fundierten, nachvollziehbaren Basis treffen.





