Studie zu Diversity, Equity & Inclusion: Wie sich DEI auf die psychische Gesundheit von Beschäftigten und die Gesellschaft auswirkt
Die Erwerbsbevölkerung ist vielfältiger, als viele vermuten würden – doch Personen, die Diversitätsmerkmale erfüllen, sind in Führungspositionen seltener vertreten und fühlen sich häufiger benachteiligt. Die Ergebnisse unserer Studie zum Thema Diversity, Equity & Inclusion (DEI) zeigen: Vorurteile, Druck und ungleiche Chancen prägen nach wie vor den Arbeitsalltag vieler Beschäftigter – mit potenziellen Auswirkungen auf ihr Wohlbefinden.
Um Auswirkungen von DEI auf die psychische Gesundheit sowie die daraus resultierenden ökonomischen Effekte für Gesellschaft und Arbeitgeber zu analysieren, arbeitet WifOR Institute gemeinsam mit der Hans-Böckler-Stiftung (HBS) an einer vertiefenden Untersuchung.
Anhand von drei Wellen repräsentativer Befragungen sollen zentrale Indikatoren erhoben werden, die Unternehmen dabei unterstützen, DEI-Herausforderungen gezielt anzugehen und inklusive sowie gesundheitsförderliche Arbeitsumfelder zu schaffen – in denen alle Menschen, unabhängig von demografischen Merkmalen, ihr volles Potenzial entfalten können. Dies ist nicht nur für Beschäftigte relevant, sondern auch für den Erfolg von Unternehmen und die gesamte Volkswirtschaft.
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Damit Unternehmen einschätzen können, wie vielfältig ihre Belegschaft ist, hat WifOR Institute den Diversity Score entwickelt. Das Instrument bewertet die Vielfalt und das Vorhandensein einer inklusiven Unternehmenskultur anhand zentraler Merkmale auf einer Skala von null bis zehn. Laden Sie hier den Diversity Score von WifOR herunter:
Zentrale Ergebnisse nach der ersten Befragungswelle
Vielfalt unter Beschäftigten in Deutschland: Ein unterschätzter Faktor
Die Ergebnisse zeigen: Vielfalt ist kein Randphänomen in deutschen Organisationen. Im Gegenteil – vier von fünf Befragten erfüllen mindestens eines der im Allgemeinen Gleichbehandlungsgesetz (AGG) definierten Diversitätsmerkmale. Dazu zählen Geschlecht, Alter, ethnische Herkunft, Religion, Behinderung bzw. Erkrankung sowie sexuelle Orientierung. Dies betrifft beispielsweise:
- Angehörige nichtchristlicher Religionsgemeinschaften oder konfessionsfreie Personen
- Queere Menschen
- Personen, die sich als weiblich, nonbinär oder trans identifizieren
- Personen mit Behinderungen oder chronischen Erkrankungen
- Migrant:innen oder Kinder von Migrant:innen
- Junge und ältere Beschäftigte
„Gläserne Decke“: mangelnde Diversität auf Führungsebenen
Bei der Analyse von Führungspositionen zeigt sich nach der ersten Befragungswelle: Der Anteil von Personen mit Diversitätsmerkmalen nimmt mit zunehmender Karrierestufe deutlich ab. Ein größerer Teil der Befragten gab an, ihre Vorgesetzten seien „überhaupt nicht divers“. Bezogen auf Kolleg:innen wurde diese Einschätzung hingegen deutlich seltener geäußert. Das deutet darauf hin, dass Beschäftigte aus unterrepräsentierten Gruppen auf dem Weg in Führungspositionen häufiger auf Barrieren stoßen.
Ein Teil der Beschäftigten mit Diversity-Merkmal fühlt sich am Arbeitsplatz benachteiligt
In allen Dimensionen der Diversität erfahren Menschen aufgrund ihrer jeweiligen Merkmale weiterhin Benachteiligungen. Sie erfahren nicht nur Benachteiligung, sondern berichten auch fünfmal häufiger von Mobbing am Arbeitsplatz als Menschen ohne Diversity-Merkmale. In beiden Fällen sind Beschäftigte mit einer nicht-christlichen Religionszugehörigkeit am stärksten betroffen.
Zudem äußerten einige Befragte, sie würden von Vorgesetzten oder Kolleg:innen in Schubladen gesteckt. Andere gaben an, dass sie bestimmte persönliche Merkmale – etwa eine nicht sichtbare Behinderung, eine nicht-christliche Religion oder eine queere sexuelle Orientierung – lieber nicht offenlegen, um sich wohler zu fühlen. Dies führt dazu, dass Anstrengungen unternommen werden, um die eigene Identität zu verbergen – was Ressourcen binden kann.
Viele Beschäftigte arbeiten unter belastenden Bedingungen und hohem Druck
Die meisten Befragten fühlen sich nach der Arbeit regelmäßig sehr erschöpft. Jede:r Dritte beschreibt die psychische Belastung durch die Arbeit als sehr hoch. Diese Faktoren führen zu zusätzlichem Druck – und können sich negativ auf die psychische Gesundheit auswirken.
Was bedeutet die Studie zu Diversity, Equity & Inclusion für Unternehmen?
Die Analyse quantifiziert den Status quo von DEI und zeigt, dass viele Beschäftigte mit unterschiedlichen Diversity-Merkmalen weiterhin benachteiligt sind. Die Folgen reichen über Einzelpersonen hinaus: Sie betreffen auch Gesellschaften und Volkswirtschaften.
Bereits bestehende Forschung legt nahe: Wohlbefinden stärkt die Motivation und Leistungsfähigkeit von Beschäftigten. Zugleich ist es mit weniger Fehlzeiten und geringerer Fluktuation verbunden.
Umgekehrt können Arbeitsbelastung und gesundheitliche Beeinträchtigungen zu ökonomischen Folgekosten führen – etwa durch sinkende Produktivität oder steigende Ausgaben im Gesundheitswesen.

Darüber hinaus zeigen bisherige Studien, dass DEI-Maßnahmen ein Arbeitsumfeld fördern können, das freie Meinungsäußerung und Innovation begünstigt – zwei Faktoren, die zur Entwicklung eines offenen und leistungsfähigen Arbeitsklimas beitragen. Solche Maßnahmen können zudem dazu beitragen, strukturelle Ungleichheiten bei Gehältern, Karrierechancen und unbezahlter Arbeit abzubauen.
Daraus ergibt sich ein klarer Auftrag: Unternehmen sollten Arbeitsplätze inklusiver gestalten, das Wohlbefinden der Mitarbeitenden stärken und faire Chancen für alle schaffen.
Studiendesign und weiterführende Informationen
Die DEI-Studie erfolgt in drei Wellen repräsentativer Telefonbefragungen, durchgeführt vom SOKO Institut. Insgesamt werden über 2.500 Personen befragt. Die erste Befragungswelle ist bereits abgeschlossen und die ersten Ergebnisse werden Anfang 2026 veröffentlicht. Die Auswirkungen von DEI auf die psychische Gesundheit und die Gesellschaft werden nach Abschluss aller Umfragen bekannt gegeben. Eine ausführliche Projektbeschreibung finden Sie hier.
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