Women's Health Research

Analyse klinischer Studien, statistischer Methoden und zentraler Herausforderungen

Forschung zu Frauengesundheit: Der Gender Data Gap und Wege zu seiner Überwindung

Frauen verbringen im Durchschnitt deutlich mehr Zeit in schlechter Gesundheit als Männer – laut einem Bericht von McKinsey (2024) rund 25 Prozent. Gleichzeitig zeigt die Studie, welches Potenzial in einer besseren Gesundheitsversorgung für Frauen liegt: Investitionen zur Beseitigung geschlechtsspezifischer Ungleichheiten in der Frauengesundheit können Lebensqualität und Wohlstand steigern – mit einem Zugewinn von 1 Billion US-Dollar für die Weltwirtschaft bis 2040. Warum gibt es also immer noch Hindernisse, die einer Verbesserung der Lebensbedingungen von Frauen sowie der Förderung von Gesundheit und Gleichberechtigung im Wege stehen?

In diesem Artikel betrachten wir die Faktoren, die den Fortschritt in der Frauengesundheit hemmen: von mangelnder Forschung und Unterrepräsentation in klinischen Studien bis hin zu systematischen Fehlern bei Diagnose und Behandlung. Im Fokus stehen geschlechtsspezifische Daten aus der Forschung von WifOR zu den wichtigsten Krankheitsbildern. Darüber hinaus geht es um die Auswirkungen von Krankheiten auf die bezahlte und unbezahlte Arbeit von Frauen, sowie die Frage, wie Prävention gesundheitliche Belastungen verringern kann. 

Mangelnde Forschung – eine zentrale Herausforderung in der Frauengesundheit

Langjährige Ungleichheiten zwischen Männern und Frauen zeigen sich nicht nur im Alltag, sondern auch in der Wissenschaft. Obwohl weitgehend Einigkeit darüber herrscht, dass geschlechterspezifische Unterschiede den Verlauf von Krankheiten beeinflussen, ist die Gesundheit von Frauen bis heute unzureichend erforscht.

Laut einem Artikel in The Lancet Regional Health (Americas) gibt es dafür mehrere Ursachen: 

  • Frauen sowie weibliche Tiere und Zelllinien werden in klinischen Studien häufig nicht ausreichend berücksichtigt – unter anderem aufgrund ihrer hormonellen Zyklen. 
  • Zudem erhalten Forschende und andere Fachkräfte in ihrer Ausbildung oft zu wenig methodisches Wissen über geschlechterspezifische Unterschiede.
  • Geschlechterbasiertes Wissen wird bislang nur unzureichend in die klinische Praxis integriert.

Diese Defizite tragen dazu bei, dass geschlechtersensible Forschung weiterhin zu wenig finanzielle Förderung erhält. 

Was ist der Gender Data Gap?

Der Begriff Gender Data Gap beschreibt die systematische Lücke in geschlechterspezifischen Daten, die daraus resultiert, dass in Forschung und Entwicklung männliche Daten häufig als Standard herangezogen werden. Dadurch entstehen Verzerrungen und vorwiegend auf Männer zugeschnittene gesundheitliche Lösungen.

Im Gesundheitsbereich zeigt sich diese Lücke besonders deutlich. Für viele Erkrankungen fehlen geschlechtsspezifische Erkenntnisse darüber, wie sie sich bei Frauen und Männern unterscheiden. Zugleich gelten Symptome und Erfahrungen von Männern häufig noch immer als Norm. Das verstärkt die falsche Annahme, dass Unterschiede zwischen den Geschlechtern vor allem die Fortpflanzung beträfen. 

Frauen sind in klinischen Studien unterrepräsentiert

Bevor neue Medikamente in klinischen Studien am Menschen getestet werden, werden sie in der Regel zunächst präklinisch untersucht – häufig auch in Tierversuchen. Wie die Harvard Medical School erläutert, lassen sich bestimmte Fragen zur Sicherheit, Wirkung und Krankheitsverläufen nur so untersuchen.

Das geschlechterspezifische Ungleichgewicht zeigt sich dabei schon früh: In Versuchen werden überwiegend männliche Tiere eingesetzt, insbesondere männliche Mäuse. Lange galt die Annahme, dass weibliche Tiere aufgrund hormoneller Schwankungen zu ungenaueren Ergebnissen führen, den Probenbedarf erhöhen und damit Studien verteuern. Veröffentlichte Studien widersprechen dem jedoch: Weibliche Mäuse sind nicht anfälliger für Schwankungen als ihre männlichen Artgenossen.

Dass Frauen und weibliche Versuchstiere lange zu wenig berücksichtigt wurden, ist auf gesellschaftliche Normen und regulatorischen Vorschriften zurückzuführen. In den USA wurde beispielsweise erst 1993 durch ein Bundesgesetz festgelegt, dass Frauen und Angehörige von Minderheiten in die klinische Forschung miteinbezogen werden sollten. 

Auch in Europa hat sich der Umgang mit geschlechterspezifischen Aspekten in der Forschung erst vergleichsweise spät verändert. Die Europäische Arzneimittelagentur veröffentlichte 2005 erstmals Leitlinien zu geschlechtsspezifischen Aspekten in klinischen Studien. Seitdem wurden erhebliche Fortschritte erzielt, darunter neue Leitlinien für Schwangere und stillende Personen.  

Nebenwirkungen von Medikamenten betreffen Frauen häufiger

Das unzureichende Wissen darüber, wie der weibliche Körper auf Medikamente und Behandlungen reagiert, zeigt sich häufig auch bei den Nebenwirkungen. Bei Frauen treten diese fast doppelt so häufig auf wie bei Männern (Springer Nature, 2020). Die Canadian Institutes of Health Research weisen auf geschlechterspezifische Unterschiede wie den Körperfettanteil, die Leber- und Nierenfunktionen, die Herzaktivität und das Gewicht von Frauen hin. Sie beeinflussen, wie Medikamente im Körper aufgenommen, verstoffwechselt und abgebaut werden – und damit auch wie wirksam oder belastend Behandlungen sein können. Diese Unterschiede werden in klinischen Studien und anderen Phasen der Behandlungsentwicklung oft ignoriert.  

Dass Nebenwirkungen bei Frauen häufiger auftreten, ist seit Langem bekannt. Ein wegweisender Bericht des Obersten Rechnungshofs der USA aus dem Jahr 2001 ergab, dass von den zehn Medikamenten, die zwischen 1997 und 2000 vom US-Markt genommen wurden, acht erhebliche Gesundheitsrisiken für Frauen darstellten.

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In den letzten Jahren wurden dennoch Fortschritte beim Verständnis dieser Unterschiede erzielt. Eine im JAMA Network Open (2023) veröffentlichte Studie unter der Leitung von Forschern des GenderSci Lab der Harvard University zeigt, dass Frauen häufiger Medikamente einnehmen als Männer, was die höhere Häufigkeit von Nebenwirkungen zumindest teilweise erklärt. In einer weiteren Studie (2023) untersuchen sie soziale Faktoren, die diese Effekte auslösen können: von Vorurteilen und Diskriminierung durch Ärzte, die zu einer unzureichenden Behandlung führen, bis hin zu häufigerer Armut und geschlechterspezifischer Gewalt. 

Gender Pain Gap: Definition und Beispiele 

Ein weiterer Faktor, der das Verständnis des weiblichen Körpers, der Bedürfnisse von Frauen und ihres allgemeinen Wohlbefindens erschwert, ist der sogenannte Gender Pain Gap. 

Dr. Malina Müller, Leiterin der Abteilung Gesundheitsökonomie bei WifOR Institute, sprach darüber in einem Interview mit der Frankfurter Allgemeinen Zeitung. Sie erklärte, dass Patientinnen mit ihren Symptomen oft nicht ernst genug genommen werden. Bei Männern würden Schmerzen dagegen deutlich früher als medizinisch relevant wahrgenommen.  

„Gender-Health-Gap: Wer zahlt den Preis für weibliche Gesundheit?“ FAZ, 12. Februar 2026 Zum Artikel Dr. Malina Müller FAZ Women's Health

Von Expert:innen begutachtete Forschungsergebnisse der US-amerikanischen National Institutes of Health (2025) zeigen, dass Frauen häufiger unter chronischen Schmerzen und „alltäglichen” Beschwerden wie Kopfschmerzen leiden als Männer. Im Durchschnitt erleben sie monatlich 1,6 Schmerzereignisse, bei Männern sind es 1,2. Allerdings werden diese Beschwerden bei Frauen häufiger unterschätzt, unzureichend behandelt oder erst verspätet erkannt.  

Hinzu kommen geschlechterspezifische Beschwerden wie Menstruationskrämpfe, Erkrankungen wie Dysmenorrhö sowie Schmerzen im Zusammenhang mit Schwangerschaft, Geburt und Menopause. Anhaltende Stigmatisierung erschwert zudem ein breiteres gesellschaftliches Verständnis für diese Themen. Das trägt dazu bei, dass Schmerzen von Frauen häufiger unterschätzt werden und Unterschiede in der Behandlung fortbestehen.  

Forschung zur Frauengesundheit: Daten zu den wichtigsten Krankheiten 

Trotz der Herausforderungen nimmt die Forschung zur Frauengesundheit zu. Auch die wissenschaftlichen Erkenntnisse von WifOR Institute tragen zu diesem Ziel bei. Die Studien beleuchten zentrale Aspekte wie die Auswirkungen von Krankheiten auf unbezahlte Arbeit, die überwiegend von Frauen geleistet wird.  

Brustkrebsforschung

Laut WHO (2025) wurde im Jahr 2022 weltweit bei 2,3 Millionen Frauen Brustkrebs diagnostiziert und 670.000 Frauen starben an den Folgen der Erkrankung. Zwar kann diese Krebsart Frauen jeden Alters nach der Pubertät betreffen, doch steigt das Risiko ab dem 40. Lebensjahr deutlich an.

Neben den Gesundheitskosten wirkt sich Brustkrebs auch negativ auf die Produktivität aus, unter anderem durch krankheitsbedingte Fehltage und eine Reduktion unbezahlter Tätigkeiten. Eine vom WifOR Institute durchgeführte und von FIFARMA unterstützte Studie (2024) ergab, dass Brustkrebs allein in acht lateinamerikanischen Ländern Kosten in Höhe von 3,06 Milliarden US-Dollar durch Arbeitsausfälle verursachte. Die wirtschaftlichen Verluste machten 0,06 % des BIP Brasiliens und 0,05 % des BIP Argentiniens aus.  

Eine weitere WifOR-Studie für Korea (2025) ergab Produktivitätsverluste von 1,31 Millionen Stunden bei bezahlter Arbeit und 1,79 Millionen Stunden bei unbezahlter Arbeit. Besonders betroffen sind Frauen in ihren Fünfzigern. In wirtschaftlicher Hinsicht entspricht dies einem Verlust von 18,5 Millionen US-Dollar bei der bezahlten Arbeit und 25,5 Millionen US-Dollar bei der unbezahlten Arbeit.

Migräneforschung

Migräne tritt laut den National Institutes of Health in den USA bei erwachsenen Frauen drei- bis viermal häufiger auf als bei Männern. Obwohl sie weltweit eine der Hauptursachen für Behinderungen ist, wird sie nach wie vor zu selten diagnostiziert, unzureichend behandelt und unterschätzt.

Weltweit verursacht diese Erkrankung nach einem Bericht der Global Coalition on Aging, der Daten von WifOR enthält (2026), jährlich Kosten in Höhe von schätzungsweise 1 bis 2 % des BIP. Damit zählt Migräne zu den Krankheiten mit den größten sozioökonomischen Auswirkungen.

Eine Studie von WifOR zum Thema Migräne in sechs europäischen Ländern (2025) kommt zu dem Ergebnis, dass die Produktivitätsverluste aufgrund von Migräne bei Frauen etwa doppelt so hoch waren wie bei Männern. In Spanien betrug dieser Unterschied fast das Dreifache, in Portugal sogar mehr als das Dreifache.  

Noch deutlicher zeigt sich der Unterschied bei unbezahlter Arbeit. Frauen verzeichneten in diesem Bereich vier- bis neunmal höhere Produktivitätsverluste als Männer, wobei die Verluste bei Frauen zwischen 11 und 69 Milliarden Euro lagen.  

Diabetesforschung

Im Jahr 2017 lebten weltweit 199 Millionen Frauen mit Diabetes. Bis 2040 dürfte diese Zahl nach Angaben der International Diabetes Federation auf circa 313 Millionen ansteigen.  

Obwohl die Erkrankung beide Geschlechter betrifft, sind Frauen mit Diabetes häufig größeren gesundheitlichen Risiken ausgesetzt. Studien, auf die das Indian Journal of Medical Research verweist, zeigen etwa, dass Frauen mit Diabetes ein um 50 Prozent höheres Risiko haben, an einer Herzerkrankung zu sterben.  

Eine durch Expert:innen begutachtete WifOR-Studie (2022) untersuchte die sozioökonomischen Auswirkungen einer Behandlung von Typ-2-Diabetes mellitus in Mexiko und ermittelte dabei geschlechterspezifische Unterschiede. Eine frühzeitige intensivierte Behandlung hätte aufgrund reduzierter Komplikationen über einen Zeitraum von 10 Jahren Einsparungen in Höhe von 54 Millionen US-Dollar generieren können. Auffällig ist dabei der geschlechterspezifische Unterschied bei den Produktivitätsgewinnen: Bei Frauen entfielen 73 Prozent der gewonnenen Stunden auf unbezahlte Tätigkeiten und nur 27 Prozent auf bezahlte Erwerbsarbeit.  

Herz-Kreislauf-Forschung

Herz-Kreislauf-Erkrankungen sind laut WHO weltweit die häufigste Todesursache. Die World Heart Federation betont, dass weltweit 30 % der Todesfälle bei Frauen auf Herz-Kreislauf- Erkrankungen zurückzuführen sind. Damit sterben mehr als doppelt so viele Frauen daran als an allen Krebsarten zusammen.  

Da Herz-Kreislauf-Erkrankungen bei Männern am häufigsten auftreten, gelten sie oft als „Männerkrankheit”. Dennoch zeigen zahlreiche begutachtete Studien, dass Frauen häufig nicht ausreichend diagnostiziert werden, was zu schlechteren Behandlungsergebnissen führt.

Hinzu kommt, dass sich Herzinfarkte bei Frauen oft anders ankündigen als bei Männern. Im Gegensatz zu den klassischen Brustschmerzen, die üblicherweise mit Herzinfarkten in Verbindung gebracht werden, können bei Frauen subtile Warnzeichen wie Atemnot, Übelkeit, Müdigkeit sowie Rücken- oder Kieferschmerzen auftreten (WHO, 2025). Gerade weil diese Warnzeichen leicht übersehen werden, steigt das Risiko schwerer Komplikationen. 

Die Auswirkungen von Herz-Kreislauf-Erkrankungen gehen über die individuelle Gesundheit hinaus: Sie haben tiefgreifende sozioökonomische Folgen. Eine WifOR-Studie ergab, dass sich die durch atherosklerotische Herz-Kreislauf-Erkrankungen (ASCVD) verursachten Produktivitätsverluste in Deutschland auf 55 Millionen Stunden (1,1 Milliarden Euro) bezahlter Arbeit bzw. 1,9 Milliarden Stunden (23,4 Milliarden Euro) unbezahlter Arbeit beliefen. Bemerkenswert ist der starke Rückgang bei der unbezahlten Arbeit, von dem vor allem Frauen betroffen sind.

Diese Veröffentlichung zeigt zudem: Insgesamt ist die gesundheitliche Belastung bei Männern höher. In den ältesten Altersgruppen entfallen jedoch mehr Todesfälle und stationäre Behandlungen auf Frauen.

Reproduktive Gesundheit von Frauen

Zu den häufigsten Problemen und Herausforderungen im Bereich der reproduktiven Gesundheit von Frauen zählen:  

  • Endometriose, bei der sich gebärmutterschleimhautähnliches Gewebe an anderen Stellen im Körper ansiedelt 
  • Gynäkologische Krebserkrankungen, darunter Gebärmutterhals-, Eierstock-, Gebärmutter-, Scheiden- und Vulvakrebs
  • Myome, also gutartige Tumoren, die in der Gebärmutterwand wachsen 
  • HPV, das humane Papillomavirus, das Genitalwarzen oder Krebs verursachen kann
  • HIV, das humane Immundefizienz-Virus
  • Polyzystisches Ovarialsyndrom, bei dem die Eierstöcke oder Nebennieren einen Überschuss an männlichen Hormonen produzieren 
  • Geschlechtskrankheiten oder sexuell übertragbare Krankheiten 
  • Sexuelle Gewalt

Die Bewältigung dieser Probleme – ebenso wie der Herausforderungen im Zusammenhang mit Schwangerschaft, Geburt und Familienplanung – ist entscheidend, um die Lebensqualität von Frauen zu verbessern, Ungleichheiten abzubauen und die körperliche Selbstbestimmung zu stärken. 

Prävention zur Schließung von Lücken in der Frauengesundheit

Neben einem besseren Verständnis der Krankheiten, von denen Frauen betroffen sind, ist auch ihre Prävention entscheidend, um das Wohlbefinden zu verbessern, die Gleichstellung zu fördern und den Wohlstand zu steigern.  

Die Forschungsergebnisse von WifOR zum Thema Prävention zeigen, dass die Förderung der Gesundheit von Frauen weitreichende Vorteile mit sich bringt, die über den Einzelnen hinausgehen:

  • Unser Health ROI Assessor wurde auf das Beispiel eines Vorsorgeprogramms gegen Gebärmutterhalskrebs (Pap-Abstrich) in Deutschland angewendet. Das Ergebnis: Für jede investierte Million Euro entstehen innerhalb von drei Jahren fast 2 Millionen Euro Beitrag zum BIP. Außerdem werden mit den Investitionen in dieses Programm 32 Arbeitsplätze innerhalb und außerhalb des Gesundheitssektors gesichert.  
  • Unsere Veröffentlichung in eClinical Medicine (2025), einer Zeitschrift der Lancet-Gruppe, hat gezeigt, dass jeder in Großbritannien in die HPV-Impfung investierte Dollar im Jahr 2022 direkte wirtschaftliche Effekte in Höhe von fast 2 Dollar erzielte. 
  • Unser Bericht über HER2-positiven Brustkrebs in sieben afrikanischen Ländern (2025) bezifferte die durch die Krankheit verursachten Gesamtproduktivitätsverluste zwischen 2017 und 2023 auf über 10 Milliarden US-Dollar. Die Analyse zeigt zudem, wie wichtig eine frühe Diagnose ist. 2023 lagen die sozialen Auswirkungen pro Patientin bei frühzeitig erkanntem HER2-positivem Brustkrebs um 5 Prozent höher als bei einer späten Diagnose (633 US-Dollar gegenüber 603 US-Dollar). Das unterstreicht die sozioökonomische Bedeutung einer rechtzeitigen Erkennung.  

Die Ergebnisse zeigen, dass Prävention messbare Vorteile für die Gesundheit von Frauen und für die Gesellschaft insgesamt mit sich bringt.

Gesundheit, Arbeit und Pflege: Daten zur unbezahlten Arbeit von Frauen

Die Internationale Arbeitsorganisation (ILO) berichtet, dass weltweit 708 Millionen Frauen aufgrund unbezahlter Betreuungsaufgaben nicht am Arbeitsmarkt teilnehmen können. Da Klimakrise und demografischer Wandel den Bedarf an Gesundheitsversorgung weiter erhöhen, wird es umso wichtiger, krankheitsbedingte Belastungen zu verringern – auch um den Bedarf an unbezahlter Pflegearbeit zu reduzieren. 

Unsere Publikation „Healthy Returns: A Catalyst for Economic Growth and Resilience“ (2025) greift diese Zusammenhänge auf. Das White Paper hebt hervor, dass informelle Pflege zwar erhebliche sozioökonomische Kosten verursacht, in traditionellen Statistiken und Kennzahlen jedoch nach wie vor nicht berücksichtigt und nur unzureichend erfasst wird.   

Zwar wächst das Bewusstsein für dieses Thema, doch die Datenlage bleibt begrenzt. So geht beispielsweise aus einer Veröffentlichung im European Journal of Health Economics (2024) hervor, dass die geschätzten Kosten für unbezahlte Pflege in den Niederlanden im Jahr 2019 zwischen 17,5 und 30,1 Milliarden Euro lagen, was 2,2 % bis 3,7 % des BIP entspricht. Obwohl das Land in Bezug auf die Gleichstellung der Geschlechter in der EU den 5. Platz belegt, zeigt die Studie, dass mehr als die Hälfte der von informeller Pflege betroffenen Frauen sind.

Wie das White Paper zeigt, kann eine bessere Gesundheitsversorgung unbezahlte Pflegepersonen spürbar entlasten. Prävention, barrierefreier Zugang zur Gesundheitsversorgung, neue Behandlungsmethoden und wirksame Systeme der Langzeitpflege können dazu beitragen, gesundheitliche Probleme zu verringern und mehr Teilhabe am Arbeitsmarkt zu ermöglichen.

Healthy Returns: A Catalyst for Economic Growth and Resilience Download

Kindergesundheit und Betreuung durch Frauen

Unbezahlte Pflegearbeit betrifft nicht nur die Versorgung kranker oder älterer Menschen, sondern auch die Betreuung von Kindern. Deshalb kann auch die Vorbeugung von Krankheiten bei Säuglingen Betreuungspersonen entlasten und ihre Erwerbstätigkeit erleichtern.   

Dr. Sandra Zimmermann, Head of Scientific Dialogue bei WifOR, griff dieses Thema auch auf dem World Health Summit auf. Während einer Podiumsdiskussion erläuterte sie die Vorteile einer RSV-Impfung: „Die RSV-Prävention bei Säuglingen bringt unmittelbare Vorteile: weniger Krankenhausaufenthalte in der nächsten Saison und mehr Eltern, die arbeiten können. Auch zeigen sich langfristige Effekte wie gesündere Erwachsene, höhere Produktivität oder geringere Sozialversicherungskosten.“ Dr. Zimmermann fügte hinzu, dass diese Vorteile Frauen in besonderem Maße zugutekommen.   

Daten zur Gesundheit und Erwerbsbeteiligung von Frauen

Viele Krankheiten betreffen nicht nur Frauen in Pflege- und Betreuungsrollen, sondern wirken sich auch unmittelbar auf ihr eigenes Leben aus. Sie können den Zugang zu Bildung erschweren und die Erwerbsbeteiligung einschränken.  

Migräne ist ein besonders deutliches Beispiel dafür. Die Erkrankung betrifft Frauen nicht nur häufiger als Männer, sondern ist auch besonders im erwerbsfähigen Alter verbreitet. Die WifOR-Studie zu Migräne in vier asiatischen Ländern (2024) unterstreicht, dass die Belastung durch die Krankheit typischerweise im Alter zwischen 15 und 45 Jahren zunimmt. In Südkorea und Japan sind die mit Migräne verbundenen Gesamtproduktivitätsverluste bei Frauen mehr als doppelt so hoch wie bei Männern.  

Im Bereich der psychischen Gesundheit leiden Frauen laut der britischen Mental Health Foundation dreimal häufiger als Männer an psychischen Störungen wie Angstzuständen oder Depressionen. Betrachtet man die offiziellen britischen Statistiken zu krankheitsbedingten Fehlzeiten am Arbeitsplatz, zählte die psychische Gesundheit im Jahr 2022 zu den fünf häufigsten Ursachen für Fehlzeiten.  

Diese weit verbreiteten Krankheiten wirken sich negativ auf die Produktivität aus, verringern das Arbeitskräfteangebot und bremsen damit auch das Wirtschaftswachstum. Besserer Zugang zu Behandlungen, angepasste Arbeitsplätze und eine stärkere öffentliche Sensibilisierung können die Belastung für Gesundheitssysteme, Wirtschaft und Gesellschaft verringern.   

Eine überwiegend weibliche Belegschaft treibt die Frauengesundheit voran, doch die Ungleichheiten am Arbeitsplatz bestehen weiterhin 

Die Gesundheit von Frauen hängt auch von der Gesundheitsversorgung und den Fachkräften ab, die sie tragen. Strukturelle Ungleichheiten benachteiligen jedoch nicht nur weibliche Patientinnen, sondern auch weibliche Beschäftigte im Gesundheitswesen, die die Mehrheit aller Fachkräfte in diesem Bereich ausmachen.  

Laut WHO versorgen Frauen weltweit rund 5 Milliarden Menschen mit lebenswichtigen Gesundheitsdienstleistungen und tragen jährlich 3 Billionen US-Dollar zu den globalen Gesundheitssystemen bei. Dennoch sehen sie sich nach wie vor mit niedrigeren Gehältern, geringeren Karrierechancen und einer höheren Belastung durch unbezahlte Tätigkeiten konfrontiert. 

Ein Bericht der Weltgesundheitsorganisation aus dem Jahr 2019, der 104 Länder umfasst, ermittelt weltweit eine durchschnittliche geschlechterspezifische Gender Pay Gap im Gesundheitsweisen von rund 28 Prozent. Selbst wenn Tätigkeit und Arbeitszeit berücksichtigt werden, verdienen Frauen immer noch 11 Prozent weniger als Männer.   

Zudem sind fast 7 von 10 Beschäftigten im Gesundheits- und Pflegebereich weltweit Frauen, doch 75 % der Führungspositionen in diesem Sektor werden von Männern besetzt. Frauen arbeiten tendenziell häufiger in Teilzeit als ihre männlichen Kollegen, da sie häufig mehr unbezahlte Tätigkeiten übernehmen. 

Zwar ist der Anteil von Frauen im Gesundheitswesen hoch, doch ohne gezielte Maßnahmen werden diese Ungleichheiten bestehen bleiben. Nötig sind unter anderem gleiche Bezahlung, eine gerechtere Verteilung unbezahlter Pflegearbeit, bessere Aufstiegschancen und der Abbau von Diskriminierung. Die Förderung gerechterer Bedingungen trägt zum Wohlbefinden der Beschäftigten bei und stärkt das Gesundheitssystem – ein entscheidender Schritt auf dem Weg zu einer besseren Gesundheit für Frauen.

Lösungen zur Schließung von Forschungslücken und zum Abbau von Ungleichheiten im Bereich der Frauengesundheit

Die Förderung der Gesundheit von Frauen ist ein zentraler Pfeiler der Ziele für nachhaltige Entwicklung – insbesondere von Ziel 3 (Gesundheit und Wohlergehen), Ziel 5 (Geschlechtergleichstellung) und Ziel 8 (Menschenwürdige Arbeit und Wirtschaftswachstum). Um bestehende Ungleichheiten – vom Mangel an wissenschaftlichen Daten über Frauen bis hin zu unzureichender Versorgung – abzubauen, müssen Maßnahmen an mehreren Stellen priorisiert werden.

Maßnahmen in Wissenschaft, Forschung und Gesundheitswesen

Um Wissenslücken zu schließen, sind umfassende Daten zur Frauengesundheit erforderlich. Zu den notwendigen Schritten gehören:  

  • Aufschlüsselung von Gesundheitsdaten und -statistiken nach Geschlecht, wie sie die WHO seit 2019 vornimmt.
  • Einbeziehung weiblicher Probanden in präklinische Tests und von Frauen in klinische Studien, um repräsentative Analysen zu gewährleisten.
  • Durchführung eingehender Studien zu geschlechtsspezifischen Erkrankungen und Beschwerden.  
  • Sicherstellung der Finanzierung für die Frauengesundheit und die entsprechende Forschung.  
  • Einbindung geschlechterspezifischer Instrumente, Inhalte und Methoden in die Lehrpläne für medizinisches Fachpersonal und Forschende.  
  • Entwicklung von Ansätzen und Leitlinien zur Berücksichtigung geschlechterspezifischer Unterschiede in der täglichen klinischen Praxis.   
  • Intersektionale Analyse von Daten, um zu untersuchen, wie sich das Geschlecht auf andere Faktoren der Ungleichheit auswirkt – darunter Alter, ethnische Zugehörigkeit, Einkommensniveau und Wohnort.  

Maßnahmen in Politik, Arbeitswelt und Gesellschaft

Ein besseres Verständnis der Frauengesundheit allein reicht nicht aus. Wissenschaftliche Daten müssen die Entscheidungsfindung leiten und eine Grundlage für Maßnahmen bilden, die dazu beitragen, geschlechterspezifische Ungleichheiten zu verringern. Zu den notwendigen Schritten gehören: 

  • Sensibilisierung für die Probleme, mit denen Frauen konfrontiert sind und deren weitreichende sozioökonomische Auswirkungen auf Beschäftigung, Pflege, Gleichstellung und Wachstum.
  • Einbeziehung geschlechtssensibler, genauer wissenschaftlicher Daten in politische Planungen, um eine Verschärfung von Ungleichheiten zu vermeiden.  
  • Verankerung von Präventionsmaßnahmen auf verschiedenen staatlichen Ebenen (national, regional, lokal) und in verschiedenen Politikbereichen (von Finanzen bis Bildung), um Krankheiten zu bekämpfen, die die Gesundheit von Frauen beeinträchtigen. Dazu gehören Früherkennungs- untersuchungen, Interventionen zur Lebensstiländerung und Impfungen.  
  • Bereitstellung von Anpassungen am Arbeitsplatz für Frauen, die von verschiedenen Beschwerden betroffen sind – einschließlich wiederkehrender Themen wie der Menstruation.  
  • Verbesserung des Zugangs zu geschlechtsspezifischen Dienstleistungen wie Verhütung, Schwangerschaftsvorsorge, Mütterbetreuung und psychologischer Unterstützung.  
  • Stärkung der Gesundheits- und Sozialsysteme, um den Druck auf Frauen mit Betreuungsaufgaben zu verringern und ihre Erwerbsbeteiligung zu fördern.  
  • Bereitstellung von Ressourcen für Programme und Initiativen zur Frauengesundheit.

WifOR Institute unterstützt diese Ziele mit seiner Forschung. Wir analysieren, welche Krankheiten Frauen besonders belasten und welche Gesundheitslösungen wirken – von Präventionsprogrammen bis hin zu neuen Medikamenten. Damit liefern wir die Datengrundlage für wirksame Maßnahmen. Indem wir die gesundheitlichen, sozialen und wirtschaftlichen Folgen von Krankheiten sichtbar machen, stärken wir das Bewusstsein für die Bedeutung eines leistungsfähigen Gesundheitswesens.  

Um echte Veränderungen zu bewirken, ist es entscheidend, die Gesundheit von Frauen und das Wohlbefinden der Bevölkerung als Investition und nicht als Kostenfaktor zu betrachten.

Zusammenfassend gilt: Die Schließung des Gender Data Gaps und mehr Forschung zur Gesundheit von Frauen sin ein erster wichtiger Schritt im Abbau von Ungleichheiten – reichen allein aber nicht aus. Entscheidend ist diese Erkenntnisse in politische und gesellschaftliche Entscheidungen zu übersetzen. Nur so lassen sich Chancengleichheit stärken, Gesellschaften widerstandsfähiger machen und die Zukunft für Frauen gerechter gestalten.

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